Vortragsblock 1

Kanalsanierung - Wie gehe ich vor?

Donnerstag, 08.02.2018, 9.00–10.30 Uhr, Raum I 13

Datenbankgesteuerte Projektentwicklung in der Kanalsanierung

Dipl.-Ing. (FH) Guido Heidbrink, Kuchem GmbH TKT GmbH & Co. KG, Neunkirchen-Seelscheid

Vorgestellt wird ein Beispiel der „Datenbankgesteuerten Projektabwicklung“ aus der Sicht eines Auftragnehmers, in dem nach Auftragserteilung die entscheidenden Zwischenschritte eines Kanalsanierungsprojektes über ein und dasselbe System abgewickelt werden: Sammeln sämtlicher Projektinformationen, Aufnahme und Aktualisierung des Bestandes, Übernahme der Ausführungsplanung, Darstellung und Freigabe der Ausführungsplanung, Erstellen der Unterlagen für die Baustelle, Einpflegen der Rückläufer von der Baustelle, Erstellen von Rechnungen, Dokumentation zur Rechnungslegung, Übernahme von Rechnungsprüfungen, Abnahme, Schlussrechnung und Gewährleistung.

Strategische Sanierungsplanung als Ausgangspunkt zur Kanalnetzsanierung oder „Alle an einen Tisch“ sichert den Kanalnetzerhalt

Dr.-Ing. Martin Wolf, SiwaPlan Ing.-Ges. mbH, München, Dipl.-Ing. Ulrich Lichtenberg, Stadt Gütersloh Stadtentwässerung, Gütersloh

Während der oft schlechte Kanalzustand bei den Kanalnetzbetreibern meist bekannt ist, fehlen objektive Grundlagen wie erforderliches Sanierungsbudget(s), tatsächlich vorhandene Nutzungsdauer des konkreten Kanalnetzes oder die Kenntnis über die Auswirkungen vernachlässigter Kanalpflege und –instandhaltung auf die zukünftige Funktions- und Betriebssicherheit. Ebenfalls fehlen meist Grundlagen über den Wert des eigenen Kanalnetzes sowie notwendige Randbedingungen für dessen Erhalt. Ohne derartige Ausgangsdaten ist keine fundierte, nachhaltige und umweltgerechte Planung möglich, Veränderungen sind nur erschwert zu erreichen, meist heißt es dann: „Es ist kein Geld da“.
Abhilfe schaffen transparente Grundlagen, die den technischen, kaufmännischen und politischen Entscheidungsträgern gemeinsam mit den Aufsichtsbehörden mögliche Handlungsoptionen einschl. deren Auswirkungen transparent aufzeigen, insbesondere die Gebührenprognose und erforderliche Haushaltsmittel zum Substanzerhalt. Damit wird eine fundierte gemeinsame Entscheidung für das zukünftige Handeln im Hinblick auf Wert- und Funktionserhalt ermöglicht. Nur eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unter Berücksichtigung umweltrelevanter, technischer und kaufmännischer Belange kann dabei die Beteiligten für die Thematik sensibilisieren, überzeugen und zum Erfolg führen.
Ab Beispiel des vom Umweltministerium des Landes NRW (MKULNV NRW) geförderten Vorhabens „Entwicklung einer zukunftsorientierten Kanalsanierungsstrategie für die Stadt Gütersloh“ wird gezeigt, wie, u. a. auf Basis von Prognosemodellen, unterschiedliche Strategieoptionen ausgewertet, verglichen und bewertet wurden. Unter Mitwirkung aller Beteiligten (Kommune, Wasserbehörden, Ministerium) wurde schließlich eine nachhaltige Sanierungsstrategie einschl. Budgetvorgaben erfolgreich erarbeitet, kommuniziert und verwirklicht. Die Arbeiten wurden zudem gezielt so durchgeführt, dass neben der strategischen Planung gleichzeitig ein transparentes, haltungsscharfes Sanierungskonzept entstand, dass als wertvolle Grundlage für die weitere operative Sanierungstätigkeit des Kanalnetzbetreibers dient. Es ist Basis für das Abwasserbeseitigungskonzept, die Jahresbauprogramme und die jährliche Haushaltsplanung. Auch können damit die Kanalhaltungen identifiziert werden, für die eine Erneuerung gemeinsam mit anderen Sparten (z. B. Straßenerneuerung) technisch angebracht oder wirtschaftlich ist.
Das Gesamtvorhaben wurden vom Land Nordrhein-Westfalen als Pilotprojekt gefördert und dient beim Ministerium u. a. als Musterprojekt für vergleichbare Aufgabenstellungen.

Sanierung von Kanälen - nicht nur eine Frage der Technik

Rechtsanwältin Beate Kramer, Becker Büttner Held - Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, PartGmbB, Berlin

Thema des Vortrages ist die Frage, wer für die zum Transport von Abwasser notwendigen Abwasseranlagen verantwortlich ist und welche Konsequenzen undichte Kanäle für die Verantwortlichen nach sich ziehen können. Hierbei wird sowohl auf Verantwortlichkeit für Abwasseranlagen aus rechtlicher Sicht eingegangen, als auch erläutert, welche Rechtsfolgen diese Verantwortlichkeit nach sich zieht bzw. nach sich ziehen kann. Hierauf aufbauend wird zudem eine rechtliche Darstellung der Problematik der haftungs- und umwelt(straf)rechtlichen Konsequenzen bei undichten Abwasseranlagen erfolgen.

Moderator: Prof. Dr.-Ing. Hans-Dieter Kruse,
Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth, Studienort Oldenburg